Interview Freischwinger
vom 07.08.2010
Im Rahmen des Rock im Stadtpark
Festivals sprachen wir mit Frank von der Band Freischwinger über
Rock im Stadtpark, seine Anfänge und
sein Vorhaben, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Außerdem gibt
er unseren jungen Bands noch Einiges mit auf den Weg.
Wer die drei sympathischen Franken von Freischwinger noch nicht
kennt, dem sei ihr aktuelles (zweites) Album "VERKEHRTE WELT"
wärmstens ans Herz gelegt.
Wie seid ihr auf Rock im Stadtpark
aufmerksam geworden?
Angefangen hat das
im Mai 2008, da haben wir Janine [Veranstalterin von Rock im
Stadtpark] über MySpace kennengelernt, wussten aber noch gar nicht,
dass sie Rock im
Stadtpark macht. Später haben wir uns in Braunschweig wieder
gesehen, wo wir den Support von Stanfour gespielt haben. Sie war da
anscheinend total begeistert und hat uns für 2008 zu Rock im
Stadtpark eingeladen. Leider war damals Rock im Stadtpark noch im
Juni/Juli soweit ich mich erinnere und da waren wir leider schon
verplant und konnten 2008 nicht kommen. 2009 ergab es sich irgendwie
auch nicht und so ging es jetzt wirklich zwei Jahre hin und her und
nun sind wir froh, hier gespielt zu haben.
Spielt denn für euch die Größe
des Publikums eine Rolle? Macht es für euch einen Unterschied vor
20.000 Menschen zu spielen oder vor 500?
Es ist natürlich beeindruckend, wenn
man auf dem Christopher Street Day in Berlin vor 170.000 Leuten
spielt, wenn man dann nur noch Köpfe sieht, die ganze Straße bis
zum Brandenburger Tor, von der Siegessäule abwärts, das ist echt
toll. Je mehr Leute da sind, desto besser ist es, meint man. Ist es
aber nicht. Es macht auch Spaß in einem Club zu spielen , der mit 30
Leuten voll ist. Dort ist man viel näher an den Leuten dran, was auf
Festivals seltener der Fall
ist. Trotzdem hat doch jeder Gig was für sich und beides macht HAMMER
viel Spaß.
Habt ihr schon mal
Wohnzimmerkonzerte
gespielt und ist so etwas in Planung?
Die Toten Hosen
sind ja dadurch bekannt geworden, wenn ich das richtig im Hinterkopf
hab. Wenn wir mal auf einer Party sind, dann wird natürlich mal die
Akustikgitarre in die Hand genommen und ein wenig geklimpert, aber
das wir jetzt unser ganzes Equipment in den Bus laden und in einem
Wohnzimmer aufbauen und dann Gas geben, ist nicht geplant. Für
unsere Fans haben wir eine andere, ich sag jetzt mal Belohnung, und
zwar haben wir ein Supportteam. Das sind Fans, die Bock haben und uns
auch schon lange treu sind und mit diesen gehen wir nach Konzerten,
vor allem in unserer Heimatstadt Nürnberg, mal ein Bierchen trinken
und können dann auch ganz in Ruhe reden. Da ist man dann unter sich,
unter Freunden. Es ist für uns auch sehr schön, mal an den Leuten
dran zu sein und sich auch mal zu unterhalten, denn diese Seite
lernen die Leute ja sonst gar nicht von uns kennen.
Woher nehmt ihr die Inspiration für
eure Songs?
Es gibt überall
Inspiration für unsere Songs. Ein Beispiel wären die Castings. Ich
muss mich outen, ich habe DSDS geguckt. Da könnte ich mich manchmal
echt tot lachen. Es gibt dort sehr lustige und sehr schrille
Kandidaten, wobei ich vor jedem den Hut ziehe, der den Mut hat da
hinzugehen und sich vor den Dieter zu stellen. Denn ich weiß auch,
dass man da nicht ohne blaues Auge raus kommt, wenn man nicht
exzellent singen kann. Ich habe da eine gehört, die meinte, "ja
ich habe meine Schule geschmissen und werde jetzt Deutschlands
Superstar". Und dann kam eben diese Geschichte mit "Alex
Edeka", das sind so Situationen aus dem Leben gegriffen. Oder
Dieter Lottomillionär - da war bei uns vor einiger Zeit dieser
Riesen Jackpot und gibt es einen Riesen Jackpot gibt es auch zehn
Riesen Jackpots; und da dachte ich mir, werden wir das auch mal auf
die Schippe nehmen.
Hättest du dir vorstellen können,
bei DSDS mitzumachen?
Es ist ja in der
heutigen Zeit nahe liegend: Wenn ich was erreichen will, dann gehe
ich zu einem Casting. Das ist das Einfachste, aber wenn ich ein
Künstler bin, der selber Songs schreibt, dann weiß ich auch, dass
ich diese Songs über längere Zeit nicht mehr singen kann. Ich
bekomme dann vom Bohlen und zwei anderen Songschreibern Texte
vorgesetzt und diese habe ich dann da zu singen. Das ist natürlich
nicht das, was ich machen möchte. Das andere ist die Nachhaltigkeit
des Status Superstar. Ich möchte einfach nicht auf das eine Jahr
beschränkt werden, in dem ich der Superstar bin. Außerdem ist es ja
auch so, dass die Chance, dass ich der Superstar werde auch eher
gering sind. Wenn ich dann der Superstar bin, dann hab ich ein halbes
Jahr Auftritt um Auftritt und dann wird es ruhig um mich, weil die
neue Staffel losgeht. Man hat halt diesen Stempel und den wollte ich
nie haben. Ich mache es lieber so, wie ich es jetzt mache und im
Endeffekt bin ich glücklicher so.
Was war euer
Antrieb Musik zu machen?
Die Weltherrschaft.
So wie Pinky und
Brain?
(fängt an zu
singen) Der Pinky und der Brain
Brain Brain (lacht)
Also
ich kann es auch nur so erzählen, wie ich es von meinem
Elternhaus gehört habe, aber der Weg Musik zu machen war schon
vorgeschrieben. Wenn ich als vierjähriger Bub im Auto schon
Grönemeyer "Was soll das" mitgesungen hab, dann fragt man sich
schon ob mit dem Bub alles stimmt. Ich habe dann auch so lange
gequengelt bis ich dann mal bei der Oma auf dem Klavier klimpern
konnte, irgendwann gab es dann den ersten Unterricht und dann ging es
so peu a peu. Wenn einen einmal die Musik gepackt hat, dann kommt man
da auch nicht mehr los. Ich kenne so viele Leute, die wegen ihrem
Beruf aufgehört haben Musik zu machen und alle haben früher oder
später wieder angefangen. Und dann dachte ich mir, hör ich gar
nicht erst damit auf.
Was
ist das für ein Gefühl seine eigene Musik im Radio zu hören?
Schwierig, ich kann mich nicht selber singen hören. Wenn allerdings
der erste Schock verdaut ist und ich noch nicht weiter geschaltet
hab, dann denk ich mir, geil.
Was ist in euren Augen das Wichtigste um gute Musik zu machen?
Ich
glaube nicht, dass es einen guten Song gibt. Wenn du einen Spirit
hast, dann schreibst du deinen Song ja nicht in der Absicht, "ich
schreib jetzt einen guten Song, der allen gefällt", das ist
jedenfalls nicht mein Gedanke, wenn ich einen Song schreibe. Ich
schreibe dann eben einen Song. Und wenn der dann eben veröffentlicht
wird und der Anklang findet, dann bin ich glücklich.
Beantwortet
ihr eure MySpace Post selbst?
Ja,
wir machen das alles selber. Wird denken, wenn sich da einer hinsetzt
und schreibt, dann wollen wir das auch würdigen
und dann schreibe ich auch gerne zurück. Und wenn er zweimal
schreibt, schreib ich auch zweimal zurück. Ich bin dort sehr
ausdauernd und freu' mich über jede Mail und jeden Kommentar.
Natürlich denkt man sich manchmal, um Gottes Willen ich habe jetzt
schon wieder ein volles Postfach - und hatte ich nicht erst gestern
zwei Stunden lang Mails beantwortet?! Aber dann wird iTunes angemacht
und dann setze ich mich da auch hin und beantworte die Mails. Ich
bzw. wir machen es ja GERNE!!!
Was
würdet ihr
unbekannteren Bands raten?
Geht
mit der Zeit, denn Musik 2.0 ist für jeden zugänglich. Macht das, was
ihr tun könnt und
seid offen für alles Neue, denn das ist das Grundproblem in der
Musikszene.
Und
natürlich spielt, spielt, spielt, denn nur durch das Spielen
werdet ihr Erfolg haben. Und bleibt natürlich mit Spaß bei der
Sache und lasst euch nicht verbiegen, denn nur wenn man mit Spaß bei
der Sache ist, kann man diesen Spaß auch auf das Publikum
reflektieren.
Wir
bedanken uns bei dir und
wünschen dir viel Entschlossenheit die Weltherrschaft an dich zu
reißen.