Youth Gone Wild!
Dezember 2007: In der Weihnachtspost einiger
Musikjournalisten findet sich eine 4-Track-CD der ihnen bis dato
unbekannten Combo Kissin’ Dynamite. Kein Beibackzettel. Null
Hintergrundinformationen. Aber das Gehörte spricht
für sich: Professionell wie ergreifend inszenierter Hard- und
Riff Rock im Dunstkreis der Mötley Crüe, Whitesnake
und AC/DC – durchsetzt mit NWoBHM-Anklängen aus der
eisern-jungfräulichen Ecke und einem hymnischen Pathos, wie es
HammerFall und Manowor kaum besser hinbekommen -, schraubt die
Erwartungshaltung an einen Vollzeit-Diskus dieser Nobodys ins
Unermessliche.
Ein gutes halbes Jahr später – Juli 2008:
Das Kissin’-Dynamite-Debüt STEEL OF SWABIA
ist endlich erhältlich. Und hält, was der kurz vor
der Jahreswende gestartete 4-Track-Testballon verspricht. Zumal zur
Verblüffung der Öffentlichkeit langsam durchsickert,
dass es sich bei jenen Musikern, die dieses Prachtwerk ablieferten,
nicht um gestandene Mannsbilder mit jahrzehntelanger musikalischer
Berufserfahrung handelt, sondern schlichtweg um Teenager, die noch zwei
bis drei Jahre warten müssen, bis sie die
Volljährigkeit erreicht haben.
Mehr noch: Während ihrer – bedingt durch den Schul-
und Unterrichtsrhythmus – vor allem an den Wochenenden
stattfindenden Auftritte legen Sänger Hannes Braun, sein
Gitarre spielender Bruder Ande sowie Gitarrist Jim Müller,
Bassist Steffen Haile und Drummer Andi Schnitzer eine derart
mitreißende Spielfreude und Musikalität an den Tag,
dass sich die Zuschauer auf Biker-Festivals, die Schwermetaller beim
renommierten „Bang Your Head“-Festival und das
internationale Publikum des tschechischen „Masters of
Rock-Festivals zu massiven Zugabeforderungen hinreißen
lassen. Selbst die Teutonen-Metal-Institution Udo Dirkschneider
(Ex-Accept, U.D.O.) zeigte sich derart beeindruckt von dem
Fünfer aus dem Schwabenland, dass er das Quintett nicht nur im
Dezember 2009 kurzerhand für drei Shows als Support
für seine Tournee verpflichtete und währenddessen den
gesamten Auftritt der Jungs von der Bühnenseite aus
bewunderte, sondern Anfang Januar spontan im Studio einschaute, um
gemeinsam – einem Ritterschlag gleich - mit Hannes einen
Track einzusingen. U.D.O.-Bassist Fitty Wienhold sieht in
Kissin’ Dynamite bereits heute die Stars von Morgen, die
einmal in jene Fußstapfen treten könnten, wenn die
alt gedienten Helden von Heute früher oder später
einmal in Rente gehen.
Dass diese Vorschusslorbeeren auch in dieser Menge nicht unverdient
sind – daran lassen die Youngster nicht die geringsten
Zweifel aufkommen. Denn mit ADDICTED TO METAL legt der Fünfer
nun einen zweiten Diskus nach, der den Qualitäten des
grandiosen Debüts in nichts nachsteht. Wie schon beim
Debüt erneut in Kooperation mit dem Flensburger
Produzenten-Trio Elephant Music erarbeitet, beweisen die zwölf
Songs der aktuellen Scheibe einmal mehr überdurchschnittliche
Reife der jungen Musiker, die sich mit ihren Fähigkeiten und
schon jetzt hervorragend ausgebildeten Harmonieverständnis
nicht im Geringsten hinter den etablierten Größen
verstecken müssen.
Alleine der programmatische Titelsong – eingeleitet durch
einen auf den Ambos schlagenden Hammer und gleichzeitig jener Track, zu
dem Udo Dirkschneider einige Gesangspassagen beisteuerte –
marschiert auf Anhieb stoisch durch die Gehörgänge,
setzt sich nicht zuletzt dank seines eingängigen
Shout-Refrains im Ohr fest und dürfte sich in der
Live-Situation zu einem exzellenten Headbanging-Animateur mausern. Auch
das rhythmisch akzentuierte ’We Want More’ eignet
sich infolge seines plakativen Refrains hervorragend zum Mitsingen
selbst in den größten Stadien dieses Planeten,
weiß darüber hinaus durch brillant in Szene gesetzte
Lead-Gitarren zu beeindrucken.
Das durch semiballadeske Töne eingeleitete ’Iron
Fist’ – übrigens ein Stück
über den legendären schwäbischen Ritter
Götz von Berlichingen – wähnt den
Zuhörer anfangs in trügerischerer Ruhe und
Sicherheit, bevor die fünf Schwaben durchblicken lassen, dass
eben auch Accept und U.D.O. beziehungsweise Judas Priest, diese
insbesondere mit ihrem Jahrhundertwerk PAINKILLER, eine gewisse
Vorbildwirkung auf die Jungs ausübten. ’Why
Can’t You Hear Me’ wiederum verblüfft zu
Beginn mit effektvollen Hendrix-Gitarren, bevor die Nummer zu einer der
stimmungsvollsten Melancholie-Hymnen seit ’18 And
Life’ (Skid Row) avanciert und Frontmann Hannes hier seine
stimmlichen Fähigkeiten eindrucksvoll demonstriert.
Das schnell an Fahrt aufnehmende und unerbittlich treibende
’Run For Your Life’ eignet sich exzellent als die
Cabrio-Hymne für heiße Fahrten mit
durchgedrücktem Gaspedal auf der Autobahn – ebenso
das eingängige, fesselnde, gute Laune verbreitende
’Love Me, Hate Me’, das durch Stadion-Power vom
Feinsten überzeugt. ’Supersonic Killer’
entpuppt sich schnell als durchs Mark und ins Blut gehende Biker-Hymne
erster Güte - ’All Against All’ als
geniale Hommage an Iron Maiden und, dank der wohl dosierten klassischen
Gitarren-Licks, als Tribut an Yngwie Malmsteen.
Zu guter Letzt verdeutlicht die mit Vehemenz vorgetragene, entschieden
rockigere Interpretation des Damn-Yankees-Stücks
’High Enough’ – im Original eine ziemlich
balladeske Nummer ohne Nachdruck – das exorbitante
Musikverständnis und den hohen Anspruch der fünf
Süddeutschen: „Ein guter Song gewinnt
immer“, lüftet Gitarrist Ande nicht ohne gesunde
Portion Selbstvertrauen eines der Erfolgsgeheimnisse des Quintetts. Ein
anderes Erfolgsgeheimnis ist, dass die Band
„natürlich“ gewachsen sei und sich hier
fünf Schulfreunde zusammengerauft haben, die alle auf einer
Wellenlänge funken und gemeinsam an einem Strang ziehen, um
sich ihren Traum zu verwirklichen – nämlich den,
einmal als Berufsmusiker mit Kissin' Dynamite durch die Welt zu ziehen.
Die Chancen stehen gut, wie das Debüt STEEL OF SWABIA, das
neue Werk ADDICTED TO METAL sowie die Leidenschaft und
Vitalität, mit der die Jungs agieren, beweisen. Schon jetzt
werden Kissin’ Dynamite von Kritikern als „beste
deutsche Nachwuchsband seit Edguy“ apostrophiert - der
Durchmarsch von der Newcomer- in die Profiliga sollte also, noch dazu
in Rekordschnelle, programmiert sein …
Leider noch kein Hörbeispiel vorhanden.